Dr. med. Margarete Jäger

Kinderarztpraxis in München
(Berg-am-Laim)

Nützt mir das Smartphone oder schadet es mir?

Dr. Margarete Jäger

Dr. Margarete Jäger

Ich sehe in meinem täglichen Leben andauernd junge und ältere Menschen, die mit Smartphone in der Hand herumlaufen, als wäre es an ihrer Hand festgewachsen, im Bus, zu Fuß, auf dem Fahrrad, beim Überqueren von Straßen. Entweder wird dauernd aufs Smartphone geschaut oder spätestens nach zwei Minuten kontrolliert, ob irgendeine neue Nachricht eingegangen ist. Ich sehe das als sehr negative Entwicklung an und möchte das gerne begründen:

  1. Ich vermute, daß viele Menschen und vor allem Jugendliche und junge Menschen, meinen, daß der häufige Austausch von Nachrichten oder Photos einen guten Kontakt zu anderen bedeutet. Das ist aber nicht der Fall. Es ist ein Pseudokontakt, der keinerlei positive Auswirkungen auf das eigene Leben hat. Wirklicher Kontakt in der Realität bedeutet, daß man sich gegenüber sitzt, daß man redet, sich in die Augen schaut, auch körperlich wahrnimmt, wie es dem anderen wirklich geht und daß man sich oft auch anfasst, sich über die Schulter streicht oder umarmt. Nur dann fühlt man sich als Mensch angenommen und verstanden.
  2. Das laufende Starren aufs Smartphone bewirkt in sehr erheblichen Ausmaß eine innere Unruhe. Der Mensch bekommt den Eindruck, er würde etwas verpassen, wenn nicht sofort neue Meldungen angeschaut werden. Diese innere Unruhe ist absolut schädlich für die Gesundheit. Konzentrationsstörungen und Schwierigkeiten beim Ein- und Durchschlafen sind die Folge. Auch Bluthochdruck ist möglich, da man nie zur Ruhe kommt.
  3. Durch die permanente Beschäftigung mit dem Smartphone verpasst man alle Eindrücke der Umgebung, man lebt nicht in der realen Welt, sondern in einer Scheinwelt. Die Augen sind aufs Smartphone gerichtet, die Ohren hören Musik oder einen Podcast, die reale Welt ist verschwunden. In der Wirklichkeit gibt es immer etwas zu erleben: Autos, die an einem vorbeifahren, Menschen mit verschiedenem Aussehen, Kinder, die lachen und sich freuen, die Natur mit Blumen, Wetterstimmungen und Vogelgezwitscher hat viel zu bieten, wenn die Sinne wahrnehmen können. Das Smartphone bietet nur eine Konserve.
  4. Das Smartphone führt zu einer Informationsflut. Man könnte jetzt denken, daß man durch diese vielen Informationen klüger wird, aber genau das Gegenteil ist der Fall. Man stumpft ab, weil das Gehirn soviele Informationen garnicht verarbeiten kann. Letztendlich hört man auf, selbständig zu denken, denn dafür ist innere Ruhe nötig.

Was empfehle ich konkret: Die Zeit am Smartphone muß begrenzt sein. Das gilt für Kinder und Erwachsene. Eltern haben auch hier eine Vorbildfunktion. Beim Essen und beim Hausaufgabenmachen muß das Smartphone weggelegt werden. Am Abend muß man es für die Nacht ausschalten. Ich kann versprechen, daß man sich nach einer kurzen Umgewöhnungszeit viel wohler fühlen wird!

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