Viele Kinder müssen phasenweise oder dauernd oft zum Pieseln und Sie als Eltern fragen sich dann, ob das normal ist.
Dazu möchte ich einige Abläufe in der Harnblase erklären:
Die Harnblase füllt sich langsam mit Urin, der von den Nieren abfliesst. Ab einem bestimmten Füllungszustand der Harnblase empfindet man das Gefühl, auf die Toilette gehen zu müssen. Der Füllungszustand, der diesen Impuls auslöst, ist von Mensch zu Mensch verschieden, auch seine Dringlichkeit ist unterschiedlich.
In der Harnblase gibt es zwei Muskelsysteme. Die Wand der Harnblase besteht aus einem Geflecht von sogenannter glatter Muskulatur. Glatte Muskulatur heißt, daß diese Muskulatur unwillkürlich arbeitet, also nicht willentlich angespannt werden kann.
Das zweite Muskelsystem ist der innere und äußere Schließmuskel der Harnblase. Der innere Schließmuskel besteht auch aus glatter Muskulatur, die nicht willentlich angesteuert werden kann. Der äußere Schließmuskel der Blase besteht aus sogenannter quergestreifter Muskulatur, kann also willentlich angesteuert werden.
Die Blase füllt sich langsam mit Urin und der Mensch spürt ab einer für ihn typischen Füllung, daß er pieseln gehen muß. Auf der Toilette wird der äußere Schließmuskel der Blase willentlich entspannt, d. h. er öffnet sich. Die unwillkürlich angesteuerte Blasenwandmuskulatur zieht sich zusammen, der unwillkürlich angesteuerte innere Blasenschließmuskel entspannt und öffnet sich und der Urin kann abfließen. Beim Entleeren der Harnblase ist keine sogenannte Bauchpresse, d. h. mithilfe der Bauchmuskulatur durch Anspannung erforderlich. Am besten ist das passive "Laufenlassen" des Urins nach willentlicher Entspannung des äußeren Blasenschließmuskels.
Beim Baby oder Kleinkind läuft dieser Vorgang automatisch ab, d. h. wenn die Harnblase eine bestimmte Füllung erreicht hat, entleert die Blase sich von alleine. Die Sauberkeitsentwicklung bewirkt später, daß die Kontrolle über den willentlich angesteuerten Teil der Muskulatur erlernt wird.
Die schon erwähnte glatte Blasenwandmuskulatur hat eine gewisse Grundspannung. Ist diese Grundspannung eher locker, geht relativ viel Urin in die Harnblase, man muss nicht so oft zum Pieseln gehen. Ist diese Grundspannung etwas höher, was generell oder auch phasenweise vorkommen kann, passt nicht so viel Urin in die Blase und das Kind muß häufiger zum Pieseln gehen. Die Grundspannung kann auch nur in bestimmten Situationen erhöht sein, z. B. wenn man weiß, daß man in der jetzigen Situation nicht oder nur mit Schwierigkeiten zum Pieseln gehen kann, z. B. in der S-Bahn, im Kino oder auch in der Schule, wenn das Kind weiß, daß der Lehrer es dem Kind nicht erlauben wird, auf die Toilette zu gehen.
Diese Grundspannung der Blasenmuskulatur kann man willentlich nicht beeinflussen, so daß es am besten ist, dem Drang nachzugeben und pieseln zu gehen. Für Kinder ist es daher wirklich wichtig, daß sie auf die Toilette gehen können, wenn sie es für nötig halten und daß Erwachsene das erlauben.
Grundsätzlich können auch Erkrankungen ein häufiges Pieselnmüssen auslösen wie z. B. eine Blasenentzündung, daher ist eine ärztliche Abklärung der Beschwerden sinnvoll.
Liegt keine Erkrankung vor, ist ein entspanntes Umgehen mit dem Wunsch des Kindes, auf die Toilette zu gehen, am sinnvollsten. Machen Sie kein Thema daraus, sondern lassen Sie Ihr Kind entscheiden. Bitten Sie auch die Lehrer Ihres Kindes, darauf einzugehen. Manchmal hilft auch ein ärztliches Attest. Fast immer wird die Situation, wenn man sie entspannt angeht, nach einer gewissen Zeit von selber besser.
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